Synta FH 102/500 - The Other Side

0. Einleitung

Vor geraumer Zeit veröffentlichte Lotz im Astronomie.de-Forum seinen Erfahrungsbericht mit dem Synta 102/500 FH-Refraktor, in dem das Teleskop nicht besonders gut wegkam. Prompt nahm auch in der de.sci.astronomie-Newsgroup jemand diesen Bericht zum Anlaß, sich in seinen Vorurteilen bestätigt zu sehen. Um der Legendenbildung entgegenzuwirken und auch, weil mich dieser Verriß meines Mobilteleskops persönlich getroffen hat, schreibe ich hier mal meine Erfahrungen mit meinem 102/500 nieder. Den habe ich Anfang April 2003 bei Markus Ludes gekauft, ich war wegen der beruflichen Trennung von meinem Newton auf der Suche nach einem kleinen mobilen Gerät. Der Tubus kam im Laden gleich auf die optische Bank und das Ergebnis war mehr als zufriedenstellend. Nach einer kurzen Eingewöhnungszeit wurde der kleine Synta mein mit Abstand meist genutztes Teleskop.

1. Montierung

Der 102/500 wurde auf zwei Montierungen verwendet, auf einer Lidl-Montierung und einer EQ-3 mit Zweiachssteuerung. Die Lidl-Monti trägt den FH zufriedenstellend, allerdings nicht ganz wackelfrei. Das unterdimensionierte Stativ ist dabei der Hauptschwachpunkt, andererseits ist es dafür sehr leicht und transportabel. Eine wesentliche Verbesserung ergibt sich durch den Austausch gegen ein EQ-2-Stativ (paßt unter die Lidl-Monti, umgekehrt geht das allerdings nicht). Das eine Kilogewicht vom Lidlscope reicht nicht aus, ich verwende meistens ein aufgebohrtes EQ-2-Gewicht. Mit einem Kilo kann die Klemmung den Tubus zwar noch halten, aber entspanntes Aufsuchen und Einstellen ist dann nicht möglich. Absolut problemlos und stabil verhält sich der kleine Fraunhofer auf der EQ-3 mit Motor. Allerdings muß ich bei Verwendung der Baader-Prismenschiene wegen dem zusätzlichen Gewicht und dem längeren Hebelarm auf das große 3,5kg-Gegengewicht zurückgreifen. Zu einem guten Teil geht das einfache Handling auf die kompakten Ausmaße des stumpigen Tubus. Aber die kompakten Maße können beim Balancieren des Tubus in Deklination ein rein mechanisches Problem darstellen: Die Rohrschellen lassen sich nur wenig (Lidlscope-Prismenschiene) oder fast gar nicht (EQ-3 original) verschieben. Das ist besonders dann lästig, wenn man mit Foto- oder 2-Zoll-Equipment am Arbeiten ist.

102/500 auf Lidl-Monti 102/500 auf EQ-3

2. Unterwegs

Der Tubus des 102/500 wiegt ca. 2,2kg (mit Zenitspiegel und Rohrschellen), die Länge beträgt 50cm, bei Abbau der Taukappe nur noch 38cm. So paßt das Teil dann auch in einen Motorradkoffer rein. Der Fraunhofer ist bauartbedingt sehr robust, das muß er bei mir auch sein, diverse Macken im hellblauen Lack sprechen eine deutliche Sprache. Als Reiseteleskop begleitete mich der kleine Synta auch nach Teneriffa und La Palma, in den Vogelsberg, die Rhön und auf die Emberger Alm. Auf Flugreisen ließ sich der Tubus im Rucksack für das Bordgepäck verstauen. Ein kleiner Maksutov ist noch kompakter und leichter, aber nicht mehr viel.

102/500 im Yamaha-Koffer

3. Der Farbfehler

Zweilinsige Achromaten mit großem Öffnungsverhältnis wie der 102/500 (genaugenommen ist die Bezeichnung Fraunhofer-Achromat für ein solches Gerät nicht korrekt) leiden in hohem Maße unter chromatischer Aberration, d.h. die Schärfepunkte der verschiedenen Wellenlängen fallen nicht zusammen. Der starke Farbfehler ist auch eines der wichtigsten und am häufigsten genannten Gegenargumente wider die Anschaffung eines Kurzrefraktors.

Die Auswirkungen der chromatischen Aberration lassen sich schön an den beiden folgenden Bildern ablesen. Beide wurden mit einer Nikon CoolPix 4300 und einem TS-Superview 40 Okular gemacht, das erste am 102/500, das zweite an einem 76/700 Reflektor (auch nicht gerade eine Luxusoptik). Der halo-ähnliche Rand unscharfen blauen Lichts um den Mond ist beim 102/500 deutlich zu erkennen und entspricht auch in etwa dem visuellen Eindruck (vergrößerte Version beim Klick auf die Bilder).

Mond mit Nikon und 102/500 Mond mit Nikon und 76/700

Sicher stellt dieser Farbfehler bei der Mond- und Planetenfotographie ein gewisses Hindernis dar, bei der visuellen Beobachtung ist er aber IMHO eher ein ästhetisches als ein grundlegendes Problem.

4. Sonne, Mond und Planeten

Nicht gerade der starke Punkt des 102/500, es geht aber besser, als manche Leute glauben machen wollen.

Am Mond und an der Sonne kann man durchaus mit höheren Vergrößerungen arbeiten, jedoch macht sich bei diesen hellen Objekten dann der Farbfehler stärker bemerkbar (wenn bei der Sonne nicht schon das Seeing die Vergrößerung begrenzt). Sonnen- und Mondbeobachtung ist allerdings nicht meine Spezialität, auf diesem Gebiet habe ich auch nur wenig Erfahrungen gesammelt.

Mond mit 102/500 Mond fokal ohne Barlow

Die untere Aufnahme des Mondes war übrigens das First-Light meiner Toucam 740, ich habe sie einfach mal ohne Nachführung und Einnordung in den Okularauszug gesteckt und aus dem Fenster raus mit camstream einen Einzelframe gemacht.

Sonne und Venus mit 102/500

Venus: Bei halbwegs vernünftigem Seeing recht gut zu beobachten. Hier eine etwas überbelichtete Webcam-Aufnahme (merkwürdig, ich hatte extra mit Histogramm gearbeitet) von 24.5.2004 mit TAL-Barlow und Verlängerung:

Venus vom 24.5.2004

Jupiter: stark Seeingabhängig. Unter brauchbaren Bedingungen (und mit ausgekühltem Tubus) schön mit Wolkenbändern und GRF. Der Farbfehler wirkt sich nicht so störend aus wie erwartet. Hier zwei Webcam-Aufnahmen mit TAL-Barlow und Verlängerung, also nicht exakt bekannte Brennweite:

Jupiter mit D-BAR, D-PROJ, W-SPOTs und mehr Jupiter GRF

Am Saturn sieht man das Äquatorband und die Cassini-Teilung klar und umlaufend. Im April 2004 bin ich zum ersten Mal dazu gekommen, Saturn mit dem Skywatcher abzulichten. Das Resultat ist nicht gerade die Planetenoffenbarung, aber für die Seeingbedingungen (vier Monate nach der Opposition!) nicht mal so übel:

Saturn

Mars kommt deutlich besser und detailreicher als im Lidlscope, aber ganz klar nicht so gut wie im 8" Newton. Hier meine ersten Versuche mit der Webcam.

Zweiter Mars mit 102/500 Zweiter Mars mit 102/500, Specht-Version

Das rechte Bild wurde von Frank Specht gekonnt nachbearbeitet. U.a. wurde der Blausaum durch den Farbfehler entfernt, in dieser Beziehung entspricht das linke Bild besser dem visuellen Eindruck. Das folgende Bild des roten Planeten entstand Ende August 2003 auf dem Sudelfeld:

Sudelfeld-Mars mit 102/500

Was die verwendeten Vergrößerungen anbelangt: Da sind meine Freundin und ich anderer Ansicht. Ich arbeite lieber mit höheren Vergrößerungen, weil auch wenn die Details nicht mehr werden, so werden sie doch einfacher wahrnehmbar. Ich betrachte, je nach Bedingungen, mit 160-200-fach. Meine Freundin mag lieber das kleinere und schärfere Bild, sie macht lieber bei 160-fach Schluß.

Abschließend noch eine Collage meiner Planetenaufnahmen vom März 2004, als alle mit dem bloßen Auge sichtbaren Planeten gleichzeitig am Himmel standen. Die recht kurze effektive Brennweite erklärt sich dadurch, daß ich die TAL-Barlow daheim gelassen hatte ("Planeten kann man ja auch daheim anschauen" - wenn's nicht so traurig wäre, hätte ich bestimmt schon darüber gelacht). Mit dem Okularprojektionsadapter gab es ein Fokusproblem und so blieb mir nichts als die normale 2-fach Barlow. Zudem noch ohne Verlängerung, das hatte ich erst einen Monat später ausprobiert.

Planeten mit 102/500

Also: Beileibe nicht das ideale Planetengerät, aber von "unterdurchschnittlich" ist der Synta 102/500 weit entfernt. Ein Gelbfilter verbessert zwar etwas den Kontrast und kaschiert den Farbfehler, aber ich lasse ihn lieber weg, der Blausaum ist nicht so störend und man kann ihn meistens ignorieren. Auf Teneriffa konnte ich Jupiter auch kurz mal mit einem etwas teureren Reisegerät betrachten, einem Vixen ED 102 SS. Der spielt selbstverständlich in einer ganz anderen Liga bezüglich Farbreinheit und Kontrast, aber auch ganz besonders, was den Preis angeht. Auch ein kleiner Maksutov (wie der von Binoviewer) bietet mehr am Planeten. Aber bei einem Richfielder geht es ja doch eher um...

5. Deep Sky

Der eigentliche Einsatzzweck eines Richfielders. Die Leistung hier ist eben im Rahmen eines 100mm-Gerätes. Eine kleine Liste meiner Beobachtungen:

M51
Nur zwei Flecke im Lidlscope, erste Ansätze von Struktur im 102/500.
M101
Mit Lidlscope unter Stadthimmel nicht zu finden, mit 102/500 kein Problem, allerdings keine Struktur.
M57
Ringform klar erkennbar.
M27
Hantelform schön sichtbar.
M104
Form schön erkennbar, Staubband mit indirektem Sehen.
OmegaCentauri, M22, M5, M13
Am Rand schön aufgelöst, Zentrum nicht ganz. Könnte etwas mehr Licht vertragen.
Jupiter's Geist
schwer zu finden, kleines Okular notwendig.
Rosettennebel
Trotz tiefem Stand Anfang Mai mit O-III kein Problem.
Cirrus
Deutlich erkennbar, mit O-III wesentlich besser, alle drei Teile schön sichtbar im großen Gesichtsfeld.
Nordamerikanebel
schwierig ohne Filter, besser mit, mit 32mm voll im Sichtfeld.
Eta Carinae, Nebel im Schützen
Wunderschön mit Struktur, mit O-III noch etwas besser. Mit indirektem Sehen ist die Teilung des Trifidnebels erkennbar.
Virgohaufen
könnte mehr Licht vertragen, allerdings recht schön im 2"-Okular.

Wichtig bei der Deep-Sky-Beobachtung ist auch der Einsatz mit Filtern. Wir haben den Synta sowohl mit UHC als auch mnit O-III verwendet. Der O-III Filter ist IMHO weit überlegen, allerdings wird es ab 100-facher Vergrößerung unter Umständen schon etwas dunkel im Okular. Aber Lagunen- und Rosettennebel bei 50-fach sind schon grandios.

Besonders verdient machte sich unser 102/500 in der Nacht vom 19. auf den 20. März 2004, als er uns bei unserem Messier-Marathon 110 von 110 Objekten zeigte, zum Teil mit überraschend viel Detail (festgehalten im astronomie.de-Forum unter Kanarischer Messier-Marathon). Und zwischen den einzelnen Messier-Objekten diente er noch als Nachführoptik für wunderbare Milchstraßenbilder .

6. Doppelsterne

Keinerlei Probleme, der Öffnung voll angemessene Leistung. Epsilon Lyrae kann ohne weiteres getrennt werden. Das Foto ist ein nicht bearbeitetes Rohbild einer Serie.

Epsilon Lyrae

Lambda Ophiuchi, mit 1,5" schon etwas schwieriger, wurde deutlich getrennt bei erbärmlich schlechtem Seeing. Das Foto wurde aus 12 Bildern einer Serie von 100 wabernden Flecken gestackt.

Lambda Ophiuchi

57 Cnc, auch mit 1,5", wurde ebenfalls problemlos getrennt. Der Fraunhofer trennt Doppelsterne wesentlich einfacher als mein 8"-Newton. Typischerweise trenne ich engere Doppelsterne mit 2-fach Barlow und 4mm SP bei 250-facher Vergrößerung. Die Sternabbildung ist auch bei höheren Vergrößerungen tadellos.

7. Handhabung

Eine der Hauptstärken des Teleskops. Verwendet mit einem Starpointer ist das Aufsuchen kinderleicht (und enorm schnell). Mit der kurzen Brennweite und einem Übersichtsokular ist das Teil sein eigener Sucher. Der kurze Tubus erlaubt schnelles und intuitives Schwenken des Teleskops.

Der 2"-Auszug wird oft als Kaufargument herangezogen, ist aber nicht so entscheidend. Hauptnachteil: Hohes Gewicht des Zenitspiegels und des Okulars (1kg). Dazu ein zusätzliches Kilo Gegengewicht. Probleme mit dem Fokusweg sind bei der Kombination von 2"-Spiegel und 1,25"-Okularen möglich, anscheinend lassen sich manche Leute dann den Tubus kürzen (was die Probleme mit dem Balancieren aber eher verschärfen dürfte). Bei mir tritt dieses Problem wegen des extrem kurzbauenden 1,25-Zoll-Reduzierstücks nicht auf. Insgesamt macht die 2-Zoll-Ausrüstung etwas zu viel Aufwand für ein Reisegerät. Dazu wird durch das Gewicht das Austarieren des Tubus erschwert. Ein 32mm-SP mit 1,25 Zoll macht auch schon über drei Grad Gesichtsfeld.

2-Zoll Zenitspiegel

8. Fotographie

Piggyback-Fotographie ist ohne weiteres möglich, Motorisierung vorausgesetzt (das ist nicht selbstverständlich). Fokalfotographie ist auch machbar, allerdings kämpft man hier in vielen Fällen mit dem Farbfehler der Optik. Für die Webcam am Planeten ist schon ausreichend Licht vorhanden. Allerdings erfordert die kurze Objektivbrennweite extreme Maßnahmen, um auf anständige effektive Brennweiten zu kommen. Durch den Farbfehler wird der Weißabgleich schwieriger. Interessant wäre es, den 102/500 mit einem Farbfilterrad zu betreiben und die Kanäle jeweils einzeln nachzufokussieren, zum Thema Sphärochromasie kann ich momentan leider keine Aussagen machen.

Inzwischen bin ich ziemlich häufig am Fotographieren mit SC-modifizierten Webcams, zunächst farbig, jetzt mehr und mehr schwarz-weiß. Der 102/500 ist hierbei aufgrund seiner kurzen Brennweite recht hilfreich, die kleinen Chips der Webcams erlauben sonst keine akzeptablen Bildfelder. Der 102/500 läßt sich in verschiedener Weise mit einem Focal Reducer kombinieren und bildet trotzdem noch gut ab. Allerdings schlägt auch hier wieder der Farbfehler zu: Sowohl auf den Farbaufnahmen wie auch auf den Schwarzweißbildern, hier in Form von hellen Höfen um hellere Sterne. Nachfolgend Aufnahmen von NGC1977 (dem Running Man), der Umgebung von Alnitak, dem Cocoon-Nebel, NGC7331 mit Stephans Quintett und der Galaxie NGC5128 (Centaurus A). Letztere stand bei der Aufnahme gerade mal 7 Grad über dem Horizont, die meisten der späteren Frames gingen durch atmosphärische Refraktion verloren.

Running Man mit SC2 und Focal Reducer NGC2024 und Pferdekopf mit SC2 und Focal Reducer Cocoon-Nebel mit SC3 und Focal Reducer NGC7331 und Stephans Quintett mit SC3 und Focal Reducer Centaurus A mit SC3 und Focal Reducer

9. Fazit

Kurz zusammengefaßt...

Vorteile:

Nachteile:

IMHO bietet der Synta 102/500 eine ganze Menge Vielseitigkeit für sein Geld. Ich habe selten in meinem Leben einen so guten Kauf gemacht. Der FH war eine Zeit lang de facto mein einziges Teleskop und ich bin sehr zufrieden. Er zeigt eine ganze Menge vom Himmel in sehr guter Qualität und begleitet mich fast überall hin. Als Erstgerät für Einsteiger taugt er wohl nur bedingt, schon weil der Tubus so viel kostet wie ein 6"-Dobson. Aber als mobiles Zweitgerät ist er für seinen Preis erste Klasse. Ich kann den Synta 102/500 Richfield-Fraunhofer uneingeschränkt zum Kauf empfehlen.

Der größte Wermutstropfen ist selbstverständlich die mangelnde fotographische Eignung durch den Farbfehler. Im Vergleich schneidet hier unser neu angeschaffter ED80 wesentlich besser ab. Visuell hingegen sind speziell bei schwachen Objekten die 102mm den 80mm doch deutlich überlegen.

Ach ja: Die Qualität der 102/500 Tuben scheint ziemlich zu streuen, ich habe wohl einen der besseren erwischt. Das ist die eine Aussage die man in diesem Zusammenhang machen kann. Es lohnt sich also, die Optik vor dem Kauf zu testen oder ein uneingeschränktes Rückgaberecht zu vereinbaren. Und es stimmt offensichtlich nicht, daß die erste Wahl der Synta-Geräte über Celestron verkauft wird.

Nachtrag: Im astronomie.de-Forum fand ich mittlerweile einen weiteren Thread zum Skywatcher 102/500, in dem weitgehend dasselbe beschrieben wird wie im obigen Text.