Bericht von der Tagung "Modellierung 2004" in Marburg und der Einrichtung des Querschnittsfachausschusses "Modellierung" der GI

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1.   Tagungsbericht

Vom 23. bis 26.3. 2004 fand in Marburg die Konferenz "Modellierung 2004" statt. Diese Konferenz wurde von dem neu gegründeten Querschnitts-Fachausschuss "Modellierung" zusammen mit 12 Fachgruppen und einem weiteren Fachausschuss der Gesellschaft für Informatik ausgerichtet. Es handelte sich dabei um die siebte Zusammenkunft zu diesem Thema. Frühere Treffen wurden teilweise als geschlossene Workshops, teilweise als offen ausgeschriebene wissenschaftliche Tagungen organisiert. Seit 2002 finden Treffen dieser beiden Arten jährlich abwechselnd statt. Die diesjährige Tagung an der Universität Marburg war eine offen ausgeschriebene Fachtagung mit einem breit gefächerten Konferenzprogramm, das von einem Industrieforum über eingereichte und eingeladene Vorträge, Tutorien, Workshops, Kurzbeiträgen, Poster- und Fachgruppen-Sitzungen bis zu einer gemeinsamen Abendveranstaltung im Fürstensaal des Marburger Landgrafenschlosses reichte.

Damit bot die "Modellierung 2004" ein hervorragendes Forum für Praktiker und Wissenschaftler, neue Arbeiten und Entwicklungen auf diesem Gebiet vorzustellen, zu diskutieren und gegenseitigen Erfahrungsaustausch zu pflegen. Die Tagung begann mit vier Tutorials und einem Industrieforum mit abschließender Podiumsdiskussion. Von den vier eingeladenen Vorträgen zur Haupt-Konferenz waren zwei (von Michael von der Beeck, BMW und Torsten Klein, Daimler-Chrysler) den neueren Entwicklungen im Bereich eingebetteter Systeme bei der Automobil-Industrie gewidmet. Frank Leyman (IBM) berichtete unter dem Titel "Programmieren im Großen wird Realität" von der neuen Modellierungssprache BPEL für Geschäftsprozess-Anwendungen. Nicolo Guarino vom Forschungsinstitut LAO in Trento/Italien sprach über "Ontology-Driven Conceptual Modelling".

Für das Hauptprogramm waren von 35 eingereichten Arbeiten 11 ausgewählt worden. Die angesprochenen Themengebiete reichten von Anforderungen und Modellierung, Modellierung und Abstraktion, Sprachliche und Prozess-Aspekte der Modellierung bis zu Qualitätssicherung und Werkzeugeinsatz. In vier parallel abgehaltenen Workshops wurden einen Nachmittag lang Themen wie Einsatz der Feature-Modellierung in der Produktentwicklung, Modellierung als Schlüsselkonzept in intelligenten Lehr-/ Lernsystemen, XML-Austauschformate for BPM sowie Ontologien in der bzw. für die Software-Entwicklung erörtert.

Alle Vortragsmanuskripte, Beiträge zum Industrieforum, Kurzbeiträge, Kurzfassungen zu den Workshops und Tutorien sind im Konferenzband nachzulesen:

Bernhard Rumpe, Wolfgang Hesse (Hrsg.): Modellierung 2004, Proceedings zur Tagung, Lecture Notes in Informatics, Volume P-45, ISBN 3-88579-374-1, ISSN 1617-5468, GI, 2004

Das neue und erweiterte Konzept dieser Tagung, das in Marburg erstmalig umgesetzt wurde, hat sich offenbar gut bewährt. Das zeigen sowohl der unerwartet hohe Zuspruch zur Tagung mit insgesamt 137 Anmeldungen, als auch die vielen positiven Reaktionen der Tagungsteilnehmer. Die Organisatoren danken allen Autoren, Mitgliedern des Programmkomitees und weiteren Helfern für ihren Einsatz bei der Vorbereitung und Durchführung dieser Tagung. Nicht zuletzt gilt unser Dank den Sponsoren BMW, DaimlerChrysler, sd&m und InoSoft, dem Fraunhofer-Institut IESE sowie den Universitäten Marburg, TU Braunschweig und TU München für ihre finanzielle, logistische und organisatorische Unterstützung der Tagung.

Aus den Beiträgen zur und Diskussionen während der Tagung lässt sich erkennen, dass Modellbildung heute ein wesentliches Instrument zur Beherrschung der Entwicklung großer und komplexer SoftwareSysteme ist. Die derzeit in der Version 2.0 erscheinende Unified Modeling Language (UML) spielt dabei als Industriestandard weiterhin eine wesentliche Rolle. Die Tagung hat gezeigt, dass eine Reihe guter Ansätze meist zunächst für spezifische Domänen existieren und dass sich darin enthaltene Konzepte, Techniken und Methoden oft erfolgreich auf verwandte Bereiche anwenden und weiter entwickeln lassen. Es ist daher zu erwarten, dass das Thema Modellierung in den nächsten Jahren sowohl im Forschungsbereich als auch in der industriellen Anwendungsentwicklung weiterhin eine große Rolle spielen wird.

Die nächste Tagung dieser Reihe ist in einem ähnlichen Rahmen für das Frühjahr 2006 geplant.

Wolfgang Hesse, Bernhard Rumpe

2.   Einrichtung des GI-Querschnitts-Fachausschusses Modellierung

Innerhalb der Gesellschaft für Informatik e.V. (GI) befasst sich eine große Anzahl von Fachgruppen explizit mit der Modellierung von Software- bzw. Informationssystemen. Während dabei unterschiedliche Perspektiven auf den Gegenstand der Modellierung betont werden, sind bei näherer Betrachtung deutliche Überschneidungen erkennbar. Der Austausch zwischen den verschiedenen Fachgruppen wird allerdings dadurch erschwert, dass sie sich unterschiedlichen Traditionen und mit ihnen einhergehenden Terminologien verbunden fühlen. Jenseits einer sinnvollen wissenschaftlichen Arbeitsteilung verspricht die Auseinandersetzung mit den Themen und Blickwinkeln benachbarter Forschungsgemeinden wertvolle Anregungen.

Diesem Ziel wurde die im Jahre 1998 von Klaus Pohl, Andy Schürr und Gottfried Vossen ins Leben gerufene Tagungsreihe "Modellierung" gewidmet. Die Konferenzen und Workshops dieser Reihe bieten Mitgliedern der GI – wie auch nicht organisierten Wissenschaftlern und Praktikern – ein Forum, um Gemeinsamkeiten, Defizite und Unterschiede in den verwendeten Modellierungsansätzen herauszuarbeiten und den gegenseitigen Erfahrungsaustausch zu pflegen. Mittlerweile wurden sieben Tagungen bzw. Workshopsdurchgeführt und der Veranstalterkreis ist auf die folgenden insgesamt 13 GI-Gremien angewachsen:

•  PN GI-FG Petrinetze (0.0.1)
•  LogInf GI-FG Logik in der Informatik (0.1.6)
•  SPECS GI-FG Spezifikation und Semantik (0.1.7)
•  ILLS GI-FG Intelligente Lehr- und Lernsysteme (1.1.5/7.0.1)
•  WM GI-FG Wissensmanagement (1.5.1)
•  SE GI-FG Softwaretechnik (2.1.1)
•  RE GI-FG Requirements Engineering (2.1.6)
•  OOSE GI-FG Objektorientierte Software-Entwicklung (2.1.9)
•  EMISA GI-FG Entwicklungsmethoden für Informationssysteme und Anwendung (2.5.2)
•  WI-MobIS GI-FG Modellierung betrieblicher Informationssysteme (5.10)
•  WI-VM GI-FG Vorgehensmodelle für die Betriebliche Anwendungsentwicklung (5.11)
•  FoMSESS GI-FG Formale Methoden und Modellierung für Sichere Systeme
•  MMB GI/ITG-FA Messung, Modellierung und Leistungsbewertung von Rechensystemen

Nach sechs Jahren erfolgreicher Arbeit mit einer informellen Organisationsform war es 2004 an der Zeit, den Veranstalterkreis stärker in die Strukturen der GI einzubinden. Für diesen Zweck schien die Organisationsform eines Querschnitts-Fachausschusses (QFA) am besten geeignet zu sein. Mit den Querschnitts-Fachausschüssen führt die Gesellschaft für Informatik e.V. ein völlig neues Konzept in ihre bisher nahezu hierarchische Struktur ein. Orthogonal zu den "klassischen" Themenbereichen der Informatik gibt es nun die Möglichkeit – nach außen hin deutlich sichtbar – fachbereichsübergreifende Themen wie eben die Modellierung in der GI-Struktur zu verankern und über Fachbereichsgrenzen und -gräben hinweg gemeinsam voranzutreiben. Der QFA Modellierung ist damit der erste Versuch, einen GI-Querschnitts-Fachausschuss zu etablieren. Weitere Informationen zu dem Querschnitts-Fachausschuss Modellierung und zu seinen bisherigen und künftigen Aktivitäten finden Sie unter der WWW-Adresse:

http://www.gi-modellierung.de/

Andy Schürr

Kontakt

info@modellierung2004.de


Letzte Aktualisierung: 28.06.2004